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Chronica von Thüringen und der Stadt Erffurth

Hogels „Chronica von Thüringen und der Stadt Erffurth“ gilt als die erste zuverlässige Er­furter Chronik. Darüber hinaus kann sie mit Recht als wohl bedeutendste deutschsprachige Chronik des 17. Jahrhunderts bezeichnet werden und ist bis heute für die Geschichte des Landes Thüringen und der Stadt Erfurt, aber auch für die lokale Denkmalpflege von un­schätzbarer Bedeutung.
 

In seiner „Chronica“ behandelt Hogel die Erfurter Stadt- und Landesgeschichte von 320 bis 1629. Somit bricht die Berichterstattung bereits 47 Jahre vor dem Tod des Chronisten ab. Aufgrund dessen wird in der Forschung vielfach vermutet, der Autor habe seine Arbeit an der Chronik auch über das Jahr 1629 hinaus fortgesetzt, seine Ausführungen zu der Zeit nach 1629 seien jedoch von seinen Nachkommen zurückgehalten worden.
 

Die leider nicht erhaltene Originalhandschrift blieb zunächst im Besitz der Familie. Hogels Enkel Andreas Emmanuel Hogel (1725-1811), Stadtschreiber in Erfurt, fertigte vor 1792 eine Abschrift der Chronik an und ließ diese im März 1792 der Bibliothek des Evangelischen Mi-nisteriums in Erfurt zukommen. Der Kopie lag ein auf den 12. März 1792 datierter Brief Ho­gels bei, in dem er keine Angaben zur Entstehungszeit der Abschrift macht. Er erwähnt aller­dings eine ebenfalls von ihm verfasste zweite Kopie der Chronik, die auf der ersten Abschrift basiere.1 Die zweite Abschrift muss folglich im Anschluss an die erste Kopie der Chronik entstanden sein, über den zeitlichen Abstand zwischen den beiden Niederschriften kann je­doch nur spekuliert werden.
 

Die jüngere Handschrift der Hogelschen Chronik gelangte zu einem unbekannten Zeitpunkt und auf ungeklärte Weise in den Besitz Karl Hermanns und wurde nach dessen Tod Teil sei­nes Nachlasses. Der gesamte Nachlass Hermanns wurde in die Bestände des Erfurter Stadtar­chivs eingegliedert, sodass die zweite Abschrift mittlerweile im Stadtarchiv Erfurt einsehbar ist. Eberhard Tettenborn transkribierte diese Handschrift vom 22. Januar 2014 bis zum 13. März 2015 und überließ dem Stadtarchiv einen gebundenen Ausdruck seiner Transkription.
 

Die von Andreas Emmanuel Hogel an die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums ge­sandte Handschrift ist bis heute dort verblieben und wird den Bibliotheksbesuchern auf Nachfrage zugänglich gemacht. Sie stellt das älteste erhaltene Exemplar der Hogelschen Chronik dar und sollte somit die Basis jedweder Beschäftigung mit derselben sein. Aufgrund dessen basiert auch die hier präsentierte Transkription auf diesem Exemplar des Werkes.
 

Es wurde größtenteils von Andreas Emmanuel Hogel selbst niedergeschrieben, es waren jedoch auch mehrere andere Schreiber beteiligt. Das Beschreibmaterial ist Papier. Die Hand­schrift ist nicht nur anhand von Kapitelüberschriften geordnet, sondern auch nach Jahren; diese Art der Gliederung ist charakteristisch für spätmittelalterliche Historiographie regiona­ler Prägung.2 Auf ein Titelblatt folgt eine kurze Vorrede. Die eigentliche Chronik besteht aus vier Büchern: „Der Chronicken von der Stadt Erffurt Erstes Buch“3 dokumentiert „die Ge­schichte, welche sich mit ihr [der Stadt Erfurt] von erstem anbeginn her, bis auf die Regie­rung Keysers Caroli IV. zugetragen“ und ist in 44 Kapitel untergliedert; das zweite Buch be­steht aus 61 Kapiteln und handelt „Von ferneren Aufnehmen und Ordnungen der Stadt“4; im dritten Buch stellt Hogel in 66 Kapiteln die Ereignisse „Von dero Evangelischer Reformation an bis auff das Jahr 1600“5 dar; das vierte und letzte Buch besteht aus 18 Kapiteln und be­schreibt den „Zustand“6 der Stadt „von anno 1600 bis auf das Jahr 1623“7.
 

Die Handschrift umfasst insgesamt 892 Folio-Seiten in deutscher Kurrentschrift und ist somit eine der ausführlichsten historischen Quellen für Thüringen und Erfurt. Der Umfang ist wohl auch eine Ursache dafür, dass bislang keine Transkription der Handschrift publiziert wurde, obwohl eine solche Veröffentlichung die Arbeit in Geschichte und Denkmalpflege sehr er­leichtern kann. Diese Publikation wird nun hier geboten.
 


  1. Dieser Brief findet sich als eine Vorrede in der Handschrift.
  2. BAUER, Martin: Evangelische Theologen in und um Erfurt im 16. bis 18. Jahrhundert. Beiträge zur Personen- und Familiengeschichte Thüringens (Schriftenreihe der Stiftung Stoye der Arbeitsgemeinschaft für mitteldeut­sche Familienforschung e.V., Bd. 22), Neustadt a.d. Aisch 1992, S. 297f.
  3. Chronica von Thüringen und der Stadt Erffurth, S. 1.
  4. Ebd., S. 123.
  5. Ebd., S. 279.
  6. Ebd., S. 403.
  7. Ebd., S. 403.
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